Zurück

Traktur (allgemeine Beschreibung)

Die Orgel hat zwei Manuale mit je 56 Tasten. Die Pfeifen stehen auf zwei Laden, die Basslade oberhalb und die Diskantlade unterhalb der Manuale.

Die Tasten sind zweiarmige Hebel, die den Fingerdruck in eine Aufwärtsbewegung am hinteren Ende übertragen.
In Ruheposition ist die hintere Tastenhälfte ein wenig schwerer als die vordere und liegt auf einer Leiste auf. Zusatzgewichte in und auf der Taste (ja, es sind zwei pro Taste, bei g³ sogar drei) halten den hinteren kürzeren Hebel unten. Dies ist notwendig, damit
die Tastaturen ein- und ausgebaut werden können. Für eine leichte Spielart ist der Tastentiefgang größer als der Hub an der Stange (etwa 8 mm zu 6,5 mm, Hebelverhältnis 1,2 zu 1).
Ein weiterer Teil der Manualtraktur besteht aus zwei Reihen senkrecht angeordneter (Messing-)Stangen mit angelöteten Verdickungen. Die Tasten heben die Stangen an den Verdickungen. In den Tasten sind am hinteren Ende Schlitze, sodass sie für die Koppel II-I vor und zurückgeschoben werden können und doch immer im Eingriff mit den Stangen sind.
 
Ein dritter Teil der Manualtraktur besteht aus zweiarmigen Hebeln, die die aufwärts gehende Stangenbewegung in eine abwärts gerichtete Bewegung umwandeln. Diese Bewegung wird verwendet, um die Ventile der Basslade über Abstrakten aufzuziehen oder die der Diskantlade über Stecher aufzudrücken. Im Bild sind die Stecher vom Manual I zum Diskant schon eingebaut. Auch hier wieder ist die Hebelübersetzung etwa 1,2 zu 1, also 6 mm Stangenhub werden in 5 mm Ventilabzug übertragen.
 
Die Stecher bestehen aus geraden Fichteholzstäbchen mit einem Querschnitt von unten 5x5 mm, in der Mitte 8x8 mm und oben wieder 5x5 mm. Die Verdickung in der Mitte ist gegen Ausknicken, der Materialabtrag oben und unten zur Gewichtsreduzierung. Die Ventile des Diskant drückt ein Messingstift auf, der am unteren Stecherende sitzt. Die Regulierung der Traktur erfolgt mittels Ledermuttern, die leicht zugänglich sind.

Tasten

Die Tasten bestehen aus feinjährig gewachsenem Fichtenholz 20 mm hoch. Sie sind mit Ebenholz belegt und auf den Halbtönen mit Beinauflage versehen. Die Tastenfront wurde mit einem speziell zugeschliffenen Bohrer (ähnlich einem Forstnerbohrer) hergestellt und stirnseitig aufgeklebt. Beim Anschrägen der Taste wurde davon die Hälfte weggefräst, so dass ein Halbbogen stehen blieb. Die Tasten sind hinten kürzer als vorne (Hebelarm 1,2:1). Damit sie hinten auf der Leiste aufliegen wurden Gewichte eingebaut und die Tasten im vorderen Bereich zur Gewichtsersparnis ausgebohrt.

Die Tastenlagerung von Manual I hat etwas Nachdenken erfordert, da eine statische Überbestimmung vermieden werden musste, um die Tasten nicht zu schwergängig zu machen (Zur Erinnerung: Die Taste ist vorne, in der Mitte und hinten geführt wegen der Möglichkeit, die Tastatur ein- und auszubauen). Zusätzlich verursachen Witterungs­wechsel Verzug der Tasten und sind zu beachten durch genügend Spiel oder Freiheitsgrade der Teile.
 
Die Lösung ergab sich durch einen zusätzlichen Freiheitsgrad der Tastenlagerung: Die Taste von Manual I ist in der Mitte (Wippenauflage) frei zum Kippen und kann sich zusätzlich seitlich bewegen. Nach vorne oder hinten kann sie sich auf der Wippenauflage nicht bewegen. Dies wurde realisiert mit einer Nut von C bis g³ auf der Wippenauflage. Die Tasten haben einen fest montierten Stift an der Unterseite.
 
Die Führung vorne ist konven­tionell mit Langloch und Stift im Klaviatur­rahmen. Benutzt wurden ein Tastenbohrer der Firma Marc Vogel und seine Tastenführungs-Langloch-Hartholzeinlagen.
Die Führung hinten wurde als einfacher, hinten offener Schlitz realisiert, der in den Stecher greift.

Trakturwippen

Die Tasten und die senkrechten Über­tragungsstangen sind noch in Klaviatur­teilung, die Ventile jedoch in einer ganz anderen Ordnung wegen der Wechsel­schleifen: In der Basslade ist die Aufteilung C Man II, C Man I, Cis Man II, Cis Man I usw. bis c¹ Man II, c¹ Man I. Es ist also ein gespreizter Mechanikteil zwischen Klaviatur und Ventil notwendig und dazu sind die Trakturwippen vorgesehen. Es gibt mithin kein Wellenbrett und die Traktur verbraucht wenig Höhe. Die Bilder zeigen Klaviaturen und Wippen auseinandergeschoben.
 


Die Wippen bestehen aus Linden­holz­brett­chen 4 mm breit x 20 mm hoch mit Auf­dopplungen rechts und links an jedem Ende. Die Aufdoppelun­gen sind angeleimte 4 mm Brettchenteile. So werden die Enden ungeschliffen 12 mm breit, nach dem Finieren noch circa 7 bis 8 mm. Damit ist es möglich, an den Enden Löcher für die Stangen und Ventilabzüge zu schaffen.
 

Die Wippenbalken und alle 112 Wippen sind im nebenstehenden Bild zu sehen.
 
Jede Wippe erhält am Drehpunkt eine Resitex-Lagerbuchse, die in ein um ein Zehntel Millimeter zu klein gebohrtes Loch gepresst wird.
 
An die Wippe wird mit einem Lagerstift (Edelstahl-Einpressstift DIN7 Durchmesser 2) ein Lagerholz (Rundholz-Dübel d10 mm mit Schlitz 5 mm) befestigt. Der Lagerstift sitzt stramm im Lagerholz und hat ein Zehntel Millimeter Luft in der Resitex-Lagerbuchse.
 
Der Wippenbalken wird jetzt mit den Wippen bestückt. Die Montage geht einfach durch Einschlagen der Dübel, wobei auf die korrekte Ausrichtung der Wippe geachtet werden muss.
 
Muss das Lager doch nochmal ausgebaut werden hilft ein kleines Loch von der Lagerbalken-Rückseite, um den Zugang für den Durchschläger zu haben.
 
Die unterste Wippenreihe wird montiert für Manual II an Diskant.
 
Die zweite Wippenreihe wird eingebaut für Manual I an Diskant.
 
Die dritte Wippenreihe verbindet Manual I mit dem Bass. Wichtig sind die kurzen Distanzröllchen (durchbohrte Rundhölzchen), wie sie als helle Teile im vorhergehenden Bild oberhalb von Man II zu sehen sind. Sind sie länger als der Tastengang, verhindern sie, dass schräge Wippen durch Nachbartasten angehoben werden.
 
Die oberste Wippenreihe ist für die Verbindung von Man II mit der Basslade.
 
Gegen Durchbiegung der Wippenbalken sind mehrere Stützen eingebaut.
 
Ein Blick von der Klaviaturseite bei herausgenommenen Klaviaturen zeigt die Stangen und die in sie hineingreifenden Wippen.

Pedalkoppel

Ergänzt wird die Manualtraktur noch durch den Wippenbalken für die Pedalkoppel I-P. Der Wippenbalken wird beim Koppeln angehoben, sodass die Wippen gerade mit Verdickungen an den Stangen von Man I in Kontakt kommen.
 
Die Höhe des Balkens ist einstellbar über zwei Schrauben an den äußeren Enden. Das linke Ende ist im linken Bild zu sehen, Blick unter den Klaviaturen (Position "Koppel ab").
 
Ein Blick nach rechts zeigt das rechte Lager der Eisenwelle mit dem Anschlag (Position "Koppel ab") und dem Fußhebel (Position "Koppel an").
 
Die Holzstange zwischen Fußhebel und Eisenwelle ist jetzt montiert. Die Koppel ist auf dem Bild eingeschaltet.

Pedalwellenbrett

Die Verbindung zwischen Pedalwinkeln und Koppelwippen erfolgt mittels Wellenbrett. Auf nur 20 cm Höhe sind die Wellen für 30 Pedaltöne untergebracht. Dies war unter anderem möglich durch folgende Maßnahmen:
 
Holzwellen nur 8x8 mm im Querschnitt => für die Bewegung eines Ventils noch ausreichend (getestet, für zwei Ventile wäre der Querschnitt nicht mehr ausreichend), 5 mm Luft zur nächsten Welle
Gis ohne Welle => symmetrische Wellenverteilung von C bis eº (17 von 30 Tönen), dadurch wiederum sind bis zu fünf Wellen in einer Ebene nebeneinander angeordnet (E G A cº aº). Längste Holzwelle circa 45 cm (f¹). 15 Wellenreihen übereinander.
 
Die Enden der Wellen sind mit 2 mm Messingstangen in Holzdocken gelagert. Die Abstrakten sind an den Wellenhebel mit undehnbarem Zwirnfaden angehängt. Reguliert wird mit Leder­muttern an den Pedalwinkeln und Pedalwippen.
 
Die Pedalkoppel wird mit einem Fußtritt eingeschaltet, wodurch sich der Wippenbalken hebt und die Traktur spannt. Ist die Koppel abgeschaltet, wird auch die Traktur nicht mitbewegt. Ein Einschalten der Pedalkoppel ist auch bei niedergedrückter Pedaltaste möglich.

Zurück