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Konzepterstellung der Orgel

Gesucht wurde eine Pfeifenorgel, bei der mit wenig Registern eine breite Palette an Übungsmöglichkeiten erzielt werden konnte. Die Trakturen sollten mechanisch sein. Das Platzangebot war wie so oft bei Hausorgeln knapp, die Ressourcen an Arbeitszeit, Rohstoffen und Geräten ebenfalls.

Wer macht was?

Unter Berücksichtigung der voraussichtlich verfügbaren Arbeitskraft und Abwägung der zeitlichen und finanziellen Situation (innerhalb der nächsten 3 Jahre) wurde folgendes Konzept aufgestellt:

Das Gehäuse, Teile der Pfeifen und Holzrohlinge/Zuschnitte fertigt ein Schreiner. Wir fanden einen guten Mann, der hauptsächlich Restaurierungen und Einzelstücke herstellt. Er bekam ausführliche 1:1-Pläne mit Ansichten und Schnitten, ein 1:10-Modell des Gehäuses, Listen mit Maßangaben und eine ausführliche Spezifikation der gewünschten Eigenschaften und Ausführung. Alle Maße waren in Millimeter angegeben, einer für Schreiner um eine Zehnerpotenz kleinere Einheit als gewöhnlich und mithin eine echte Herausforderung.


Das Holzpfeifenmachen wurde durch Pfeifenrohlinge aus drei verleimten Wänden mit separatem Deckbrett beschleunigt. So entfielen das Holzzurichten, Trocknen, Sägen, Hobeln und ein Teil des Leimens. Die Feinarbeiten am Labium, dem Vorschlag, dem Fuß und der Mündung blieben noch zu leisten. Heute würde ich alle vier Wände zusammenleimen lassen und nur das Oberlabium nachträglich selbst einsetzen (Material: gut glättbares Holz wie z.B. Birnbaum). Der Grund für diese Umstellung liegt in der besser erzielbaren Geradheit der Pfeifenwände und exakteren Rechtwinkligkeit der Wände zueinander.


Das Metallpfeifenmachen wurde komplett bis zur Vorintonation hinzugekauft, da die Möglichkeiten des Selbermachens nicht ausreichten.


Die Manualklaviaturen wurden bei einem Spezialisten beauftragt. Doch dieser gab den Auftrag zurück und es blieb nur der Selbstbau.


Windlade, Schleifen, Pfeifenstöcke, Trakturen, Mechanik und Pedalkoppel wurden zum Selbstbau eingeplant. Dabei wurden Holzrohlinge und Kleinteile zugekauft und "lediglich" weiterverarbeitet.


Das Notenpult wurde selbst entworfen und zur eigenen Herstellung als Intarsienarbeit eingeplant.


Die Verzierungen, bestehend aus Schleierbrettern und Engeln, wurden zugekauft. Ein Holzschnitzer fertigte die fünf Schleierbretter an, wovon sich eines durch seine runde Form als sehr schwierig herzustellen erwies. Die Ölvergoldung brachte dann passend zu den Engeln ein Restaurator auf. Selbst herzustellen waren bei diesen Teilen nur die Befestigungen.


Der Gebläseventilator wurde zugekauft und in ein selbst gefertigtes Gehäuse mit selbst gebauter Elektrik (Schütz, Fi, Sicherung) eingebaut.

Ergebnis

Ein Teil war also zum Selbstbau eingeplant, ein anderer Teil in Form von eingekauften Teilen und Dienstleistungen. Das Ziel war, in einer überschaubaren Zeit mit den verfügbaren Ressourcen zum Ziel zu kommen.

Als Erfahrung lässt sich zusammenfassen: Durch gravierende Änderungen gegenüber der Ausgangssituation war ein Baufortschritt wie ursprünglich vorgesehen nicht möglich. Zu nennen sind hier der zweimalige Stellenwechsel mit Umzug des Wohnsitzes und dadurch bedingt nach 1½ Jahren Bauzeit auch eine räumliche Trennung von Wohnort und Werkstatt. Danach ging der Weiterbau mit nur circa 10 Wochenstunden weiter, vor allem Samstags. Am Ende wurden nach 10 Jahren etwa 3.500 eigene Arbeitsstunden bilanziert, die Stunden für Zukaufteile nicht eingerechnet.

Heute neu bedacht würde ich durch die gewonnenen Erfahrungen die eigenen Selbstbaumöglichkeiten höher einschätzen, aber nicht bei der Eigenleistung berücksichtigen. Vielmehr würde ich bei heutigem Baubeginn den Anteil von selbst Gefertigtem noch weiter zurückschrauben, um eher fertig zu werden. Sonst wird der Bau zum Lebensziel und ist dann mehr als ein Hobby.

(tr)

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